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Hochzeit Kosten pro Gast: Was der 81. Gast wirklich kostet

Hochzeit Kosten pro Gast: Fixblock und variablen Block trennen, Schwellengäste erkennen und den echten Preis pro Gedeck aus zwei Angeboten ableiten.

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Kristian Hoffmann
11. September 202610 min Lesezeit

Es gibt keinen Betrag, den ihr aus einer Tabelle ablesen und mit eurer Gästezahl multiplizieren könnt. Der Grund wird in fast jeder Kostenübersicht übergangen: Ein großer Teil eurer Hochzeitskosten wächst nicht mit, wenn ein Gast dazukommt. Der Fotograf fotografiert 60 Gäste zum gleichen Honorar wie 100. Das Brautkleid wird nicht teurer, weil Tante Renate doch zusagt.

Was ihr stattdessen braucht, sind zwei Zahlen — und die Disziplin, sie nicht zu verwechseln.

Zwei Zahlen, die beide „Kosten pro Gast" heißen

Durchschnittskosten pro Gast = Gesamtbudget ÷ Gästezahl. Diese Zahl beantwortet die Frage: Passt diese Hochzeit zu unserem Ersparten?

Grenzkosten pro Gast = der Betrag, den genau ein zusätzlicher Gast obendrauf legt. Diese Zahl beantwortet die Frage: Laden wir die Arbeitskollegen noch ein?

Wer nach „Hochzeit Kosten pro Gast" sucht, will fast immer eine dieser beiden Zahlen — und bekommt in den meisten Ratgebern die erste, obwohl die zweite gemeint war. Das ist der teuerste Denkfehler der ganzen Planung: Paare streichen zwölf Gäste, erwarten eine deutliche Entlastung und stellen fest, dass das Budget kaum nachgibt.

Der Fixblock: Warum die kleine Hochzeit pro Kopf teurer ist

Rechnen wir das durch. Die folgenden Zahlen sind gesetzt, nicht recherchiert — sie stehen für eine Beispielhochzeit, damit die Mechanik sichtbar wird. Setzt eure eigenen Beträge aus euren Angeboten ein.

Angenommen, der Fixblock (Fotograf, DJ, Trauung, Outfits, Ringe, Papeterie-Layout, Grundmiete der Location) liegt bei 9.000 €. Der variable Anteil, der wirklich an jedem einzelnen Kopf hängt, liegt bei 120 € (Menü, Getränke, Gedeck, Gastgeschenk).

GästeFixblockVariabel (120 €/Gast)GesamtØ pro Gast
309.000 €3.600 €12.600 €420 €
509.000 €6.000 €15.000 €300 €
809.000 €9.600 €18.600 €233 €
1009.000 €12.000 €21.000 €210 €
1509.000 €18.000 €27.000 €180 €

Von 100 auf 50 Gäste zu kürzen spart hier 6.000 € — und hebt gleichzeitig den Preis pro Kopf um 90 €. Beides stimmt gleichzeitig. Wenn also im einen Forum steht, eine kleine Hochzeit koste 300 € pro Gast, und im anderen, eine große liege bei 180 €, ist das kein Widerspruch und kein Qualitätsunterschied. Es ist Division.

Praktische Folge: Eine sehr kleine Feier lohnt sich finanziell erst dann richtig, wenn ihr gleichzeitig den Fixblock verkleinert. Dieselbe Gästeliste zu halbieren, aber Fotograf, Band und Location unverändert zu lassen, ist die teuerste Variante pro Kopf, die ihr buchen könnt.

Welche 14 Posten wie skalieren

Das ist der Teil, den ihr einmal sauber machen solltet, bevor ihr überhaupt Angebote vergleicht. Sortiert jede Position eures Budgets in eine dieser vier Klassen.

PositionSkaliert nachWoran ihr es im Angebot erkennt
Menü / Buffetpro KopfPreis je Gedeck, dazu eine Mindestabnahme
Getränkepro Kopf oder VerbrauchPauschale je Person und Stunde vs. Abrechnung nach tatsächlichem Verbrauch
TortegemischtGrundpreis plus Preis je Portion
Gastgeschenkepro KopfStückpreis, oft mit Staffel
Menü- und Platzkartenpro Kopf plus fixLayout einmalig, Druck je Stück
Stuhlmiete / Hussenpro KopfStückpreis je Sitzplatz
Tischdeko und Floristikpro TischPreis je Tischgesteck, nicht je Person
Tischwäsche / Geschirrpro Tisch bzw. GedeckMietposten je Decke, Aufschlag je Gedeck
Servicepersonalin StufenBetreuungsschlüssel – fragt danach, wenn er nicht dasteht
Shuttle / Busin StufenPreis je Fahrzeug und Fahrt, nicht je Mitfahrer
Zelt, Heizung, Sanitärin StufenPreis je Zeltgröße oder Modul
Grundmiete Locationfix bis zur KapazitätsgrenzePauschale plus maximale Personenzahl
Fotograf, DJ, TraurednerfixStunden- oder Tagespauschale ohne Bezug zur Kopfzahl
Ringe, Outfits, Websitefixeinmalige Beträge, unabhängig von Zusagen

Fünf dieser 14 Positionen steigen mit jedem einzelnen Gast. Zwei rechnen pro Tisch, drei springen in Stufen, drei bleiben fix, eine ist gemischt. Anders gesagt: Bei neun von 14 Posten ist die Frage „Was kostet ein Gast mehr?" falsch gestellt.

Der Schwellenwert-Effekt: Der 81. Gast

Nehmt zehn Plätze pro Tisch an und 90 € Tischkosten (Gesteck, Decke, Kerzen, Tischnummer). Dann sieht die Grenzkostenkurve so aus:

  • Gast 80: 120 €
  • Gast 81: 120 € + 90 € = 210 € — er eröffnet Tisch 9
  • Gäste 82 bis 90: je 120 €
  • Gast 91: wieder 210 €

Der 81. Gast kostet 75 Prozent mehr als der 80. — allein wegen einer Tischkante. Daraus folgt eine Regel, die man tatsächlich anwenden kann: Streicht in Richtung der nächsten Tischgrenze nach unten, nicht wahllos. Drei Absagen von 83 auf 80 bringen in diesem Beispiel 450 €. Drei Absagen von 88 auf 85 bringen 360 €. Gleiche Anzahl Gäste, 90 € Unterschied.

Dieselbe Sprungmechanik gibt es an drei weiteren Stellen, und die sind größer:

Die Kapazitätsgrenze der Location. Der Gast, der euch in den nächstgrößeren Saal oder ins Zelt zwingt, kostet ein Vielfaches von 120 €. Fragt bei jeder Besichtigung nicht nur nach der Maximalzahl, sondern nach der Maximalzahl mit Tanzfläche, Buffetaufbau und Technik im selben Raum.

Der Personalschlüssel. Servicekräfte kommen ganz oder gar nicht. Wo die Stufe liegt, steht selten im Angebotstext.

Die Mindestabnahme. Sie wirkt in die andere Richtung: Unterhalb der vereinbarten Mindestmenge sind zusätzliche Gäste in der Kalkulation nahezu umsonst, weil ihr die Menge ohnehin bezahlt. Wenn ihr bei 55 Zusagen für 60 Personen Mindestabnahme steht, sind die Gäste 56 bis 60 rechnerisch der günstigste Teil eurer Gästeliste.

Ihr zahlt nicht pro Gast, sondern pro garantiertem Gedeck

In Catering- und Locationverträgen steht keine Gästezahl, sondern eine garantierte Personenzahl mit einem Stichtag. Was danach passiert, ist euer Risiko.

Zurück zum Beispiel: 100 garantierte Gedecke, 92 Gäste erscheinen. Acht leere Stühle × 120 € = 960 €, die ihr trotzdem zahlt. Eure realen Durchschnittskosten pro anwesendem Gast steigen damit von 210 € auf 228 €. Das ist der Unterschied zwischen der Zahl in eurer Budgettabelle und der Zahl, die am Ende stimmt.

Vier Dinge, die deshalb aus dem Vertrag in eure Gästeliste gehören:

  • Stichtag der Endzahl — ab wann die Zahl bindend ist
  • Toleranz nach oben — wie viele Personen ihr am Tag selbst noch nachmelden könnt und zu welchem Preis
  • Kinderregelung — ab welchem Alter ein volles Gedeck berechnet wird
  • Dienstleisterverpflegung — ob Fotograf, DJ und Band zum vollen Satz mitgezählt werden

Wenn ihr diese vier Felder direkt in eure Liste aufnehmt, verschwindet die häufigste Nachzahlung von selbst. Eine Struktur dafür findet ihr in unserer Hochzeits-Gästeliste: Vorlage mit 14 Spalten und klaren Regeln.

Drei Kopfzahlen, die selten zusammenfallen

  1. Eingeladene Personen — was ihr verschickt habt
  2. Zugesagte Personen — mit Datum, weil sich der Stand wöchentlich ändert
  3. Abgerechnete Gedecke — zugesagte Personen plus verpflegte Dienstleister, Kinder je nach Vertragsregel

Führt alle drei in derselben Tabelle nebeneinander. Wer nur die mittlere Zahl pflegt, unterschätzt die Rechnung regelmäßig um die Dienstleisterverpflegung.

Die Frage, die euch den echten Preis pro Gast verrät

Das hier ist der wirksamste Trick aus der Angebotsphase, und er kostet euch eine Zeile in der Mail:

Lasst euch jedes Catering- und Locationangebot für zwei Gästezahlen ausstellen, zum Beispiel für 80 und für 90 Personen.

Die Differenz geteilt durch zehn ist euer tatsächlicher Grenzpreis pro Gast. Und der weicht fast immer vom ausgewiesenen Menüpreis ab:

  • Differenz höher als der Menüpreis? Dann stecken Tisch-, Personal- oder Geschirrstufen zwischen den beiden Zahlen. Fragt nach, welche.
  • Differenz niedriger? Dann bewegt ihr euch noch innerhalb einer Mindestabnahme. Zusätzliche Gäste sind bis zu deren Grenze rechnerisch günstig.
  • Differenz exakt gleich? Dann habt ihr ein sauber kalkulierbares Angebot und könnt eure Gästeliste ohne Sprungrisiko bewegen.

Damit die Angebote danach vergleichbar sind, normiert ihr sie in fünf Schritten: alle auf dieselbe Gästezahl rechnen, Fixblock und variablen Block trennen, Pro-Tisch-Posten durch die tatsächliche Tischgröße teilen, brutto oder netto und eine separate Servicepauschale prüfen, und erst dann die Summen nebeneinanderlegen. Für den größten Einzelblock haben wir das ausführlicher aufgeschrieben: Hochzeits-Catering-Kosten: Budget realistisch kalkulieren.

Was Termine ab Oktober an der Rechnung verschieben

Wenn ihr das im Oktober oder November lest, holt ihr vermutlich gerade Angebote für die Saison im kommenden Jahr ein. Zwei Dinge lohnen sich dann.

Erstens: Lasst euch den Preisstand und die Gültigkeitsdauer jedes Angebots schriftlich geben. Ein Angebot, das ihr im November vergleicht und im März unterschreibt, ist ohne diese Angabe keine belastbare Kalkulationsgrundlage.

Zweitens: Wenn euer eigener Termin in der kühlen Jahreshälfte liegt, kommen Posten dazu, die nicht an der Kopfzahl hängen. Zeltheizung, Lichttechnik für früh einsetzende Dunkelheit und eine bewachte oder wenigstens beschilderte Garderobe hängen am Raum und am Ablauf. Sie landen also im Fixblock — und treffen eine kleine Feier pro Kopf deutlich härter als eine große. Wer im Winter mit 40 Gästen feiert, sollte diese Posten vor der Locationentscheidung durchrechnen, nicht danach.

Ein dritter Effekt betrifft den Zeitplan: Früher Sonnenuntergang verschiebt das Paarshooting nach vorn und verlängert den Innenteil des Abends. Ob daraus zusätzliche Fotografenstunden werden, entscheidet sich beim Ablaufplan — und Fotografenstunden sind Fixblock.

Posten, die pro Event abgerechnet werden

Hier steckt ein Hebel, den viele Budgettabellen nicht abbilden: Jede Position mit Einmalpreis pro Event wird pro Gast mit jedem zusätzlichen Gast billiger. Jede Position mit Stückpreis tut das nicht.

Am Beispiel Gästefotos: Eine Fotobox wird meist nach Stunden berechnet (fix), Sofortbild-Prints nach Bild (pro Kopf, oft mehrfach), eine QR-Code-Galerie einmalig pro Event (fix). Bei 40 Gästen ist der Unterschied überschaubar, bei 120 wird er deutlich. Anbieter mit Einmalpreis pro Event — so auch MeinEvent — verhalten sich in eurer Rechnung wie ein Fixposten; welcher Betrag aktuell gilt, prüft ihr auf der Preisseite des jeweiligen Anbieters.

Neben dem Preis gehören bei Foto-Lösungen vier Punkte in denselben Vergleich, weil sie später Aufwand oder Ärger kosten: Wo werden die Bilder gespeichert, gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO, wie lange bleiben die Daten liegen, und müssen eure Gäste etwas installieren. Der letzte Punkt kostet keinen Euro und entscheidet trotzdem darüber, wie viele Bilder ihr am Ende habt. Die Kriterien im Detail: Foto-Sharing-Apps für Hochzeiten: 7 Kriterien zum Vergleich.

Fünf Rechenfehler und wie ihr sie früh bemerkt

Durchschnittswerte aus dem Netz hochrechnen. Ihr multipliziert einen Fremdwert mit eurer Gästezahl und bekommt eine Summe, die zu eurem Fixblock nicht passt. Merkmal: Eure Kalkulation ändert sich nicht, wenn ihr die Location wechselt.

Getränkepauschale und Verbrauchsabrechnung verwechseln. Beide erscheinen im Angebot als Betrag je Person. Nur einer ist eine Obergrenze. Merkmal: Im Angebot fehlt der Zusatz „nach Verbrauch" oder „pauschal je Person und Stunde" — dann steht die Frage offen.

Tischanzahl nicht aufrunden. 83 Gäste sind neun Tische, nicht 8,3. Merkmal: Eure Deko-Position ist eine krumme Zahl.

Dienstleisterverpflegung vergessen. Fotograf, Videograf, DJ und Band essen mit. Merkmal: Eure abgerechneten Gedecke sind identisch mit euren Zusagen.

Anzahlungen nicht als Fixblock erkennen. Wer im Herbst anzahlt und im Frühjahr die Gästeliste kürzt, hat den gekürzten Teil oft schon bezahlt. Merkmal: Die Einsparung existiert nur in der Tabelle, nicht auf dem Konto.

Häufige Fragen

Wie viel Geld für eine Hochzeit pro Person? Rechnet nicht mit einem Fremdwert, sondern mit eurer eigenen Formel: (Fixblock ÷ Gästezahl) + variabler Betrag pro Kopf. Den variablen Betrag bekommt ihr aus dem Menü- und Getränkeangebot, den Fixblock aus der Summe aller Positionen, die sich bei einer Absage nicht ändern.

Was rechnet man pro Person bei einer Feier? Für die Frage „Können wir noch jemanden einladen?" zählt nur der variable Block: Gedeck, Getränke, Gastgeschenk, Sitzplatz — plus anteilige Tischkosten, falls der Gast einen neuen Tisch eröffnet.

Wie viel kostet ein Buffet für 100 Personen? Das steht in eurem Angebot, nicht in einem Ratgeber. Vergleichbar wird es erst, wenn ihr drei Dinge im selben Dokument habt: den Preis je Gedeck, die Mindestabnahme und die Angabe, welche Leistungen (Personal, Geschirr, Auf- und Abbau) enthalten sind. Fordert zusätzlich die Variante für 110 Personen an und rechnet die Differenz.

Wie teuer ist eine Hochzeit mit 200 Personen? Der Durchschnitt pro Kopf sinkt bei 200 Gästen deutlich, weil sich der Fixblock breiter verteilt. Gleichzeitig häufen sich die Stufensprünge: mehr Servicekräfte, mehr Tische, größere Location, oft Shuttle. Bei dieser Größe lohnt es sich, die Grenzkosten in Zehnerschritten zu berechnen statt einmal für die ganze Feier.

Was diese Woche rausgehen sollte

Zwei Mails, mehr braucht es für den Anfang nicht. An das Catering und die Location: „Bitte stellen Sie uns dasselbe Angebot für 80 und für 90 Personen aus und nennen Sie uns Mindestabnahme, Betreuungsschlüssel beim Service und den Stichtag für die Endzahl." An euch selbst: eine Tabelle mit zwei Spalten, links alles, was sich bei einer Absage ändert, rechts alles andere. Die Zahl, nach der ihr sucht, entsteht aus diesen beiden Blättern — nicht aus einem Durchschnitt.

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Über den Autor

Kristian Hoffmann

Kristian Hoffmann schreibt für MeinEvent über Hochzeits- und Event-Planung.

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